Motorische Ersatzoperationen

Motorische Ersatzoperationen dienen der Wiederherstellung einer ausgefallenen Muskelfunktion durch Sehnen- oder Muskelverlagerung eines anderen Muskels. Auf diese Art kann der neue “Motor” die verlorene Bewegung ersetzen. Neben der Zerstörung von Muskeln und Sehnen als direkte oder indirekte Unfallfolge, ist die Lähmung durch eine Verletzung eines einzelnen Nerven oder auch des Armnervengeflechts die Hauptursache für den umschriebenen Funktionsausfall. Motorische Ersatzoperationen kommen in Betracht, wenn ein Eingriff am betroffenen Nerven ohne Aussicht auf Erfolg ist, erfolglos war oder die betroffene Muskulatur untergegangen ist. Eine vollständige Wiederherstellung der verlorenen Handfunktion ist nicht möglich, es handelt sich um eine Ersatzoperation. Die Operationen ermöglichen eine Verbesserung der Greiffähigkeiten der Hand mit einem für den Einzelnen erheblichen Funktionsgewinn.

Ein häufiges Beispiel ist der Riß der langen Daumenstrecksehne nach Speichenbrüchen mit und ohne Operation. Das letzte Glied des Daumens kann, manchmal erst Wochen nach dem Unfall oder der Operation, plötzlich nicht mehr gestreckt werden. Man kann dann die zusätzliche Zeigefingerstrecksehne auf den Daumen umlenken um die Funktion wieder herzustellen. Andere Beispiele sind die Opponensplastik zur Wiederherstellung der Fähigkeit der Gegenüberstellung des Daumens zu den anderen Fingern und damit der Greiffunktion des Daumens bei Ausfall der Daumenballenmuskulatur oder die Radialisersatzoperation bei Ausfall des Speichennerven mit Verlust der Handgelenks- und Fingerstreckung können einzelne Muskeln von der Beugeseite auf die Streckseite des Unterarmes verlagert werden, um diese Funktionen zu übernehmen. Es ist eine intensive und lang andauernde krankengymnastische und ergotherapeutische Nachbehandlung notwendig mit zuverlässiger Mitarbeit des Patienten. Bis zur Übungsstabilität der Sehnennähte (etwa 4 Wochen) ist eine Ruhigstellung im Gipsverband notwendig, die anschließende krankengymnastische und ergotherapeutische Übungsbehandlung dient der Erarbeitung der neuen Bewegungsmuster und der Koordination, die auch im Gehirn umgelernt werden müssen. Ein Nachbehandlungszeitraum von gut einem halben Jahr ist einzuplanen.


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